TOWER Musikclub


Bakkushan

Info Bakkushan

Es war im Juni 2007 und es war ein Tag wie jeder andere. In den Geschichtsbüchern wird später stehen, es sei ein sonniger Tag gewesen. Aber für Daniel spielte das keine Rolle. Er mochte die Sonne zwar – klar, jeder mag die Sonne, aber es gab auch schöne Tage, an denen sie nicht schien. Und dann gab es noch jede Menge Scheißtage, an denen sie spastisch vom Himmel heruntergrinste, als drohe sie jeden Moment vor lauter Freude zu platzen. So wie an jenem Morgen, an dem Daniels Kühlschrank leer war, er zu spät zur Uni kam und seine Freundin ihm die erste SMS als seine neue Ex-Freundin schickte. „Ach Sonne, ich mag dich. Aber das Leben kann mehr.“ beschloss Daniel an diesem Tag.

Und so machten sich vier Jungs mit Bier und Keksen im Gepäck auf den Weg nach Bakkushan. Daniel war einer von ihnen. Einer von den Jungs - nicht von den Keksen. Er hatte nichts dabei, außer einem Mikrofon, das ihm nicht gehörte. Bakkushan – das ist übrigens kein Ort, keine Stadt. Bakkushan – das würden später genau diese vier Reisenden sein. Später. In diesem Moment waren sie vier Jungs und ein geklautes Mikrofon.

„Es sind die guten Zeiten, die uns am Ende noch erhalten bleiben und zusammenschweißen für ein Leben lang.“

Heute, vier Jahre später, scheint wieder die Sonne. Bakkushan sind von ihrer Reise zurück. Einer Reise, auf der sie etwas geschaffen haben. Etwas Großes und Schönes, etwas Schweres, Schwebendes. Etwas wie Gold. Bakkushan machen Musik. Laute Musik mit Herz und Hirn. Musik zum Mitsingen und Wegtanzen. Musik voller Energie. Songs, bei denen du nie vorher weißt, ob du gleich beim Refrain die Hände zur Sonne reißt oder dich von den schlauen Gedanken in den Strophen irgendwohin wegtragen lässt.

Mit Herzblut und großem Einsatz haben sich Bakkushan ihren Weg geebnet. Die erste Station ihrer Reise ist ihr selbstbetiteltes Debüt-Album, das im März erscheint. Ein schönes Mitbringsel für die Daheim-Gebliebenen!
Aber die Reise ist hier nicht zu Ende, sie fängt jetzt erst an!
Bakkushan werden 2010 über Bühnen gehen und uns ihr Souvenir live präsentieren:
Eine Platte, die mehr ist als cool. Die mutig ist und keine Angst hat zu gefallen, sondern Lust hat zu begeistern und es liebt Spaß zu verbreiten.

Bakkushan erzählen Geschichten aus großen Städten. Von dunkler Sonne und trübem Gold. Von Trennung und Kummer um Verlust. Aber Bakkushan ziehen einen nicht runter. Nie. In keiner Sekunde. Wie machen sie das? Sie verbreiten Energie. Sie verschenken sie! Energie, die einen lockerer durchs Chaos gleiten lässt. Lächelnd.

„Und wenn dein Rückenwind sich dreht, wenn er auch mal von vorne weht, dann hörst du die Menschen gerne sagen: „Alles wird gut.““

Alles wird gut! Diese Lüge sparen sich Bakkushan. Stattdessen richten sie einen auf. Mit Gitarren und guten Worten. Und am Ende sind die dunklen Zeiten dann heller und wahrhaftiger. Dann ist die schlechte Zeit eine gute Zeit. Eine goldene Zeit. Auch ohne Sonne.

IchKannFliegen

Klingeltonepidemien, Filesharing-Feldzüge und eine indifferente Jugend, die lieber in Spielekonsolen als in Konzerttickets investiert – es gibt viele gute Gründe dafür momentan lieber keine Band zu gründen und stattdessen noch ein wenig „abzuhartzen“, wie es laut Jugendforschung angeblich heute heißt.
Wenn dem so ist, dann sind IchKannFliegen wahrscheinlich nichts anderes als eine Bande dickköpfiger Spätentwickler, die noch immer den romantischen Vorstellungen eines anderen Jahrhunderts hinterher rennen.

Wenn dem aber nicht so ist, und dafür spricht zum Beispiel die vorliegende EP, gibt es auch anno 2010 immer noch ausgesprochen vernünftige Argumente dafür im Kleinbus durchs Land zu fahren und noch die entlegensten Marktflecken mit taufrischer Rockmusik zu verwöhnen, die das Radio so nicht hergibt. Und hier kommen IchKannFliegen ins Spiel.

IchKannFliegen ist eine vierköpfige Band aus Hannover, die sich seit 2006 auf der Mission befindet, einen dritten Weg zwischen Buchhalterinnenmusik und Studentensoundtrack zu etablieren, der sowohl im Live-Kontext als auch unter der Bettdecke funktioniert. Deutsch singen sie, „weil man sich da einfach klarer ausdrücken kann, und es zum ersten Mal Sinn macht, überhaupt einen Text zu schreiben. Wir haben eher amerikanische Vorbilder und dachten, so was gibt es jetzt auf Deutsch noch nicht. Gleichzeitig war uns schon vor der ersten Probe klar, dass das doch möglich sein muss!“

Eine vollmundige Ankündigung, denn auf den heimischen Plattentellern drehen sich bei IchKannFliegen immerhin Brand New, Taking Back Sunday oder Jimmy Eat World, Bands also, die immer schon hohe Emotionalität mit Glaubwürdigkeit und musikalischer Finesse verknüpfen konnten. Deutschsprachige Musik war für IchKannFliegen im Vergleich dazu „ein Minenfeld. Uns würde spontan keine deutsche Band einfallen, mit deren Texten wir komplett im Reinen sind. Da ist wahrscheinlich jeder auch eigen, was ihm peinlich ist und was nicht. Kettcar oder Tomte finden wir von der Attitüde her gut, auch wegen des melancholischen Einschlags. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass die mit ihren Freundinnen auch so sprechen wie in ihren Songs.“ Dafür ist es durchaus gut vorstellbar, dass IchKannFliegen bald so mit eurer Freundin sprechen, denn ihre Debüt-EP kommt als infektuöser Melodierausch daher, der ausgesprochen verschwenderisch mit seinen Songideen umgeht. „Es gibt auf jeden Fall eine größere Anzahl junger Mädchen, die auf unseren Konzerten immer mitsingen und hinterher Fotos machen wollen. Das verfolgt uns schon seit den ersten Tagen. Dabei erheben wir durchaus den Anspruch auch Jungs gefallen zu können.“

Schüchternheit, die in Selbstbewusstsein umkippt: IchKannFliegen ist die Art Band, die ihren Plattenvertrag in der Kantine zu einer Portion Fischstäbchen unterschreibt, und anschließend mit Songs um die Ecke kommt, die eher zum Gängemenü passen würden. Das Erfolgsrezept heißt alltagstaugliche Sprache gekoppelt mit frenetischen Melodien, die sich sofort in Emotionen übersetzen.

„Die Hälfte aller Bands hier versucht den Kindern in Teeniesprache Beziehungen mit Rockhymnen zu erklären. Wir wollen ein anderes Publikum.“ Vor allem wollen sie kein Publikum, das zu unreflektiertem Konsum neigt. „Klar gibt es dann vielleicht auch mal ne größere Geste bei uns, aber eigentlich wollen wir das klein halten. Der Bandname ist nicht falsch zu verstehen. Es geht nicht darum, dass man alles machen kann, was man will. Andererseits soll es ein programmatischer Name sein und die Vorstellungskraft in Gang setzen. Aufbruchsstimmung signalisieren viele Songs bei uns. Aber auch das Schein und das Sein. Dieses Gefühl, dass man vielleicht denkt man kann fliegen oder sich das erträumt, aber man es dann doch nicht schafft.“

Tatsächlich hat so mancher Song auf der EP einen doppelten Boden, der sich nur schwer mit ungenierter Feierlaune kombinieren lässt, auch wenn einen die zwingenden Riffs immer wieder dazu verführen. Man darf davon ausgehen, dass es der Band genau auf diesen Effekt ankommt, auch wenn die vier den eigenen Beitrag immer wieder herunterspielen. So wie die Erfahrung, die sie in den letzten Jahren auf ihren Marathon-Tourneen sammeln konnten. So wie die 40 Songs, die sie im Vorfeld ihres demnächst erscheinenden Longplayers geschrieben haben. So wie ihren lebensnahen Ausdruck, der bei aller Direktheit und Klarheit gleichzeitig intim und persönlich bleibt. „Die Texte sind auf jeden Fall persönlich. Wir haben da einige – ich will nicht sagen Liebeslieder – aber Stücke über Beziehungen, die natürlich schon auf persönlichen Erfahrungen beruhen. Dinge, die wir bandintern nachvollziehen können. Es fällt auf jeden Fall leichter darüber zu singen als darüber zu sprechen.“

Das Singen ist bei IchKannFliegen auf den meisten Songs eh eine mehrstimmige Angelegenheit und genau wie ihr Songwriting ein demokratischer Prozess. Hier liegt vielleicht auch das maßgebliche Geheimnis: IchKannFliegen ist die Art Band, die auch zusammenpasst, wenn die Lichter wieder angehen, und die zur Not auch alleine Spaß haben kann. Wie sagen sie selber? „Selbst wenn das Konzert schlecht ist, ist da immer noch die Fahrt hin und zurück.“
Soviel zum Rock’n’Roll-Ethos. Soviel zur indifferenten Jugend. Soviel zu IchKannFliegen.


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